{"id":1677,"date":"2024-05-14T09:34:48","date_gmt":"2024-05-14T07:34:48","guid":{"rendered":"https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/?p=1677"},"modified":"2025-02-11T09:21:25","modified_gmt":"2025-02-11T08:21:25","slug":"behindertenrechtskonvention-der-uno-auch-nach-zehn-jahren-ungenugend-umgesetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/fr\/2024\/05\/14\/behindertenrechtskonvention-der-uno-auch-nach-zehn-jahren-ungenugend-umgesetzt\/","title":{"rendered":"Behindertenrechtskonvention der UNO auch nach zehn Jahren ungen\u00fcgend umgesetzt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Am 15. Mai j\u00e4hrt sich das Inkrafttreten des \u00dcbereinkommens \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UNO-BRK) in der Schweiz zum zehnten Mal. Mit dessen Ratifizierung hat sich der Bund verpflichtet, die Rechte von Menschen mit Behinderungen vollumf\u00e4nglich umzusetzen. Dazu geh\u00f6rt auch, dass sie die von ihr geleistete internationale Zusammenarbeit und humanit\u00e4re Hilfe inklusiv gestaltet. Bis zur Realisierung dieses Ziels ist es allerdings noch ein weiter Weg, wie ein Blick auf die aktuelle Umsetzung und Beurteilung durch den zust\u00e4ndigen Ausschuss zeigt. Das Swiss Disability and Development Consortium (SDDC) fordert den Bund auf, diesen Verpflichtungen endlich nachzukommen und sie auch in seiner Strategie zur internationalen Zusammenarbeit 2025-28 zu verankern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1680\" srcset=\"https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-300x200.jpg 300w, https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-768x512.jpg 768w, https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-18x12.jpg 18w, https:\/\/leave-no-one-behind.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/135492-1320x880.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Ezekiel Rukuruva, 62, bereitet einen Regenwasserkanal in einem von Ern\u00e4hrungsunsicherheit betroffenen Gebiet von Chiredzi, Simbabwe, vor.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was ist die UNO-BRK und warum ist sie so wichtig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00dcbereinkommen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UNO-BRK) trat auf internationaler Ebene 2008 in Kraft. 190 Staaten haben diesen v\u00f6lkerrechtlichen Vertrag inzwischen ratifiziert, darunter die Schweiz im Fr\u00fchjahr 2014. Mit dem \u00dcbereinkommen wurde eine grosse L\u00fccke geschlossen, da es jede Form von Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen verbietet und einen menschenrechtsbasierten Ansatz verankert. So sollen die Rechte aller Menschen mit Behinderungen gew\u00e4hrleistet werden. Die Staaten, die das \u00dcbereinkommen ratifizieren, verpflichten sich, Menschen mit Behinderungen grundlegende Rechte zu garantieren, z. B. Nicht-Diskriminierung, Barrierefreiheit und volle Teilhabe und Inklusion. Zum ersten Mal finden sich in einer Menschenrechtskonvention Artikel, die sich spezifisch mit humanit\u00e4rer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit befassen \u2013 hierbei handelt es sich um die Artikel 11 (Gefahrensituationen und humanit\u00e4re Notlagen) und 32 (Internationale Zusammenarbeit). Diese beiden Artikel zielen darauf ab, dass Akteure der internationalen Zusammenarbeit Menschen mit Behinderungen in s\u00e4mtlichen Massnahmen aktiv miteinschliessen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die darin beschriebenen Verpflichtungen sind deswegen so zentral, weil sie eine so grosse Anzahl von Personen betreffen. Laut WHO (2022) leben weltweit 1,3 Milliarden Menschen mit einer Behinderung und davon rund achtzig Prozent im globalen S\u00fcden \u2013 und eine Vielzahl in Armutsgebieten. Es ist daher \u00e4usserst wichtig, dass reiche L\u00e4nder wie die Schweiz ihre internationale Zusammenarbeit f\u00fcr alle Menschen inklusiv gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was hat die \u00dcberpr\u00fcfung der Schweiz durch den Behindertenrechtsausschuss ergeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im M\u00e4rz 2022 hat der UNO-Ausschuss, der damit betraut ist, die Umsetzung der Konvention in den Mitgliedsstaaten zu kontrollieren, die Schweiz \u00fcberpr\u00fcft. Ausschuss formulierte anschliessend sogenannte \u00abAbschliessende Bemerkungen\u00bb, die die zentralen Empfehlungen an die Schweiz enthalten. Zu den relevantesten geh\u00f6ren aus der Sicht des SDDC die folgenden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Humanit\u00e4re Hilfe (Artikel 11):<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Es braucht einen Aktionsplan zur Umsetzung der Charta zur Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in der humanit\u00e4ren Hilfe. Dieser muss unter Beteiligung von Organisationen von Menschen mit Behinderungen (OPDs) erarbeitet werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Internationale Zusammenarbeit (Artikel 32):<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Schweiz muss Richtlinien verabschieden, um sicherzustellen, dass alle internationalen Kooperationsprogramme inklusiv f\u00fcr Menschen mit Behinderungen sind und nicht zur Segregation von Menschen mit Behinderungen beitragen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Bund muss Menschen mit Behinderungen, einschliesslich Frauen mit Behinderungen, und ihre Vertretungsorganisationen in die Entwicklung und \u00dcberwachung von Strategien und Programmen zur internationalen Zusammenarbeit aktiv einbeziehen.<\/li>\n\n\n\n<li>In allen humanit\u00e4ren und Entwicklungsprojekten muss der sogenannte OECD DAC Marker f\u00fcr Behinderung angewendet werden. Mit diesem kann gemessen werden, wie gross der Anteil der von der Schweiz finanzierten Projekte ist, die einen Fokus auf Menschen mit Behinderungen haben. Das Personal muss in der Anwendung dieses Markers geschult werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem genannten Aktionsplan zur Umsetzung der Charta kann die Schweiz konkrete und messbare Schritte f\u00fcr eine inklusive humanit\u00e4re Hilfe unternehmen. Durch die Verabschiedung von Richtlinien k\u00f6nnen Menschen mit Behinderungen systematisch in Planungsprozesse einbezogen werden. Und letztlich braucht es qualitativ hochstehende Daten, um Strategie und Programme zu informieren und zu st\u00fctzen. Die Daten der Direktion f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) zeigen etwa, dass nur drei Prozent aller Projekte darauf abzielen, Menschen mit Behinderungen zu inkludieren. W\u00e4hrend es positiv zu beurteilen ist, dass die Schweiz seit 2021 all ihre Projekte mit dem genannten OECD DAC Marker versehen, muss die Qualit\u00e4t der Daten vereinheitlicht und verbessert werden, um segregierende Effekte auszuschliessen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<cite><em>\u00abDer Schweiz bietet sich die Gelegenheit, Verpasstes aufzuholen und bis zur n\u00e4chsten \u00dcberpr\u00fcfung 2028 international eine Vorreiterrolle in der inklusiven internationalen Zusammenarbeit und humanit\u00e4ren Hilfe einzunehmen.\u00bb<\/em><br>Simone Leuenberger, Behindertenrechtlerin, Berner Grossr\u00e4tin und Vorstandsmitglied der CBM Schweiz<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was sind die weiteren Forderungen des SDDC?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das SDDC unterst\u00fctzt diese Forderungen des Ausschusses \u00adund fordert den Bund zus\u00e4tzlich auf, das Prinzip \u00abNichts \u00fcber uns ohne uns!\u00bb anzuwenden. Demzufolge muss die Schweiz die volle und aktive Partizipation von Menschen mit Behinderungen in den genannten Bereichen sicherstellen. Ausserdem muss die Schweiz aktiv f\u00fcr die Inklusion von Menschen mit Behinderungen budgetieren und daf\u00fcr in ihrer internationalen Zusammenarbeit ausreichend finanzielle Mittel bereitstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im aktuellen politischen Prozess um die Strategie zur internationalen Zusammenarbeit (IZA) 2025-28 muss der Bundesrat seine Aufgabe ernst nehmen und darf nicht die Investitionen in die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens k\u00fcrzen. Er definiert die Reduktion von Armut als einen Schwerpunkt seiner Strategie. Investitionen in Programme und Projekte, die den Teufelskreis von Armut und Behinderung unterbrechen, pr\u00e4sentieren sich als h\u00f6chst effizient. Eine Reduktion der Geldmittel w\u00e4re unsolidarisch und letztlich auch im Sinne einer stabilen internationalen Ordnung kontraproduktiv. Zudem w\u00fcrde der Bund Gefahr laufen, auf dem Weg, das \u00dcbereinkommen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen umzusetzen, weiter ins Hintertreffen zu gelangen und bei der n\u00e4chsten \u00dcberpr\u00fcfung in vier Jahren schlecht dazustehen. Daher sind Menschen mit Behinderungen in der Strategie explizit als Priorit\u00e4t zu nennen. Der Zusammenhang mit anderen Zielen der Vereinten Nationen ist klar: Nur wenn die Schweiz und andere UN-Mitgliedstaaten Menschen mit Behinderungen in ihre nationalen Strategien einbeziehen, k\u00f6nnen die Agenda 2030 und die nachhaltigen Entwicklungsziele erreicht werden. Das Hauptziel der Agenda 2030 ist das Beenden von extremer Armut und \u00abniemanden zur\u00fcckzulassen\u00bb (\u00abLeave no one behind\u00bb).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das SDDC fordert die Schweiz folglich auf, bis zur n\u00e4chsten \u00dcberpr\u00fcfung 2028 die vom Ausschuss und dem SDDC selbst formulierten Empfehlungen vollumf\u00e4nglich umzusetzen und die Implementierung der UNO-BRK im Allgemeinen und der Artikel 11 und 32 im Besonderen voranzutreiben.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterf\u00fchrende Links:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">UNO-BRK: <a href=\"https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2014\/245\/de\">https:\/\/www.fedlex.admin.ch\/eli\/cc\/2014\/245\/de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschliessende Bemerkungen des Komitees: <a href=\"https:\/\/tbinternet.ohchr.org\/_layouts\/15\/treatybodyexternal\/Download.aspx?symbolno=CRPD%2FC%2FCHE%2FCO%2F1&amp;Lang=en\">https:\/\/tbinternet.ohchr.org\/_layouts\/15\/treatybodyexternal\/Download.aspx?symbolno=CRPD%2FC%2FCHE%2FCO%2F1&amp;Lang=en<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bericht WHO (2022): <a href=\"https:\/\/www.who.int\/publications\/i\/item\/9789240063600\">https:\/\/www.who.int\/publications\/i\/item\/9789240063600<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. 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